Warum der Clicker alleine als Belohnung nicht ausreicht

Vor kurzem sprach mich eine Bekannte an, sie würde gerne einmal “das mit dem Clickertraining” ausprobieren. Ihre Motivation: damit könne man ja irgendwann die Leckerli weglassen, weil das Pferd ja bereits durch die Clicks belohnt würde. Tatsächlich ist diese Annahme immer noch recht weit verbreitet. Sogar einige Trainer:innen propagieren sogenannte „Leerclicks“, also Clicks, nach denen keine Belohnung folgt.

An einem Beispiel möchte ich erklären, warum dieser Ansatz auf Dauer nicht funktionieren wird:

Stell dir einmal vor, du hast eine App auf dem Handy, die immer einen bestimmten Ton von sich gibt, wenn auf deinem Konto Geld eingegangen ist. Falls du Online Banking betreibst, ist das bei dir vielleicht sogar der Fall. Bei mir kommt ein bestimmtes Symbol. Das funktioniert genauso.

Spätestens nach mehreren Wiederholungen wird dieses Geräusch (oder Symbol) bei dir ein freudiges Gefühl hervorrufen, denn es kündigt dir etwas Gutes an. “Juhu, Geld kommt.”

Eine ähnliche Funktion hat der Clicker: er kündigt dem Pferd ebenfalls etwas Gutes an. “Juhu, Futter kommt.”

So wird auch das Pferd bereits beim Ton des Clickers ein freudiges Gefühl verspüren, schon bevor es das Futter frisst. Daher wirkt der Clicker tatsächlich bereits als Belohnung – genauer gesagt, als sogenannter sekundärer Verstärker.

Sekundär deshalb, weil er den primären Verstärker ankündigt. Primäre Verstärker sind alles, was das Tier von sich aus als Belohnung empfindet. Sekundäre Verstärker dagegen – und das ist die Krux an der Sache – sind erlernt und erhalten ihren Wert durch die Verknüpfung mit dem primären Verstärker.

Denn was würde passieren, wenn deine App einen Programmier-Fehler hätte und regelmäßig das Geräusch ertönen würden, ohne dass es einen Geldeingang gab?

Am Anfang würdest du wahrscheinlich trotzdem noch erfreut reagieren. Deshalb würdest du auch noch jedes Mal nachschauen, in der Hoffnung, dass es diesmal kein „falscher Alarm“ wäre. Aber mit der Zeit würde deine Begeisterung immer weiter abnehmen, bis das Geräusch dir egal ist oder sogar Frust in dir auslöst.

Genauso geht es auch den Pferden. Es ist nicht schlimm, wenn ab und an nach dem Click kein Futter kommt, weil wir uns z.B. „verclickt“ haben. Das ist dann einfach ein kleiner Programmier-Fehler. Aber die Strategie, das Pferd dauerhaft nur noch mit dem Geräusch zu belohnen, wird nicht funktionieren, denn das freudige Gefühl beim Clickgeräusch wird immer weiter abnehmen. Damit geht auch der Belohnungseffekt verloren, denn der Click alleine bringt dem Pferd keinen Mehrwert.

Oder würdest du weiterhin arbeiten gehen, wenn du keinen Lohn mehr bekommen würdest, weil das Geräusch deiner App alleine ja schon eine Belohnung für dich ist?

Nein?!

Dann bezahle auch den Lohn deines Pferdes weiter regelmäßig und zuverlässig aus!


Falls du dich jetzt fragst, warum man dann überhaupt einen Clicker benutzt – das hat mehrere gute Gründe, einen haben ich z.B. hier erklärt.

Ein Grund zur Enttäuschung ist das übrigens auch nicht, denn Clickertraining hat so viele tolle Effekte, dass es sich trotzdem lohnt, sich damit weiter zu beschäftigen.

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